Sie kämpfen wie Löwen um die Aufhebung der türkischen Reisewarnung

+++ Rund 1,1 Millionen deutsche Urlauber sitzen auf gepackten Koffer und wollen ab Juli ihre Reisen in die Türkei antreten. +++ Flughäfen wie Nürnberg, Friedrichshafen, Lübeck, Saarbrücken und Karlsruhe haben einen Türkei-Abflug-Verlust von 60 Prozent. +++ 11000 deutsche Reisebüros stehen vor einem wirtschaftlichen Kollaps. +++

Der Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu (52) und der Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy (52) treffen heute Mittag gegen 13 Uhr zum dritten Mal in Folge Heiko Maas (53) und Peter Altmaier in Berlin, um die Minister des Auswärtigen Amt und den Wirtschaftsminister davon zu überzeugen, dass die bestehende Türkei-Reisewarnung nunmehr zum 15. Juli aufgehoben wird. Mit dabei ist der berühmte türkische Tourismus-Lobbyist Hüseyin Baraner (63). Wir trafen uns unmittelbar vor dieser Begegnung in einer Bar in der Budapester Straße in Berlin Tiergarten vis a vis des Hotel Palace Hotel zum Interview.

Hüseyin Baraner, warum ist es der Türkei so wichtig, dass die türkische Reisewarnung unverzüglich aufgehoben wird?

Ehe der Coronavirus Covit-19 die Welt zum Stillstand brachte, sind Deutschland und die Türkei gemeinsame Verpflichtungen eingegangen. Sowohl die türkische als auch die deutsche Wirtschaft leben vom Tourismus in die Türkei. Unsere deutschen Reisebüros haben mehr als 600.000 Reisen für diesen Sommer in die Türkei verkauft, d.h. rund 1,1 Millionen deutsche Touristen warten darauf, ab den 15. Juli endlich in den Sommerurlaub zu fliegen. Die deutsche Reisebürowelt kann ohne den Verkauf von Türkei-Reisen nicht existieren, denn gerade die Türkei ist durch und durch ein gesundes Reisebüroland. Deutschland verkauft 90 Prozent der Pauschalreisen in die Türkei. Davon leben rund 11000 deutsche Reisebüros und Flughäfen wie Friedrichshafen, Lübeck, Nürnberg, Saarbrücken, Münster, Karlsruhe, die aktuell einen Abflugverlust in Höhe von 60 Prozent einfahren, weil sie nicht in die Türkei fliegen können.

Können Sie in Zahlen ausdrücken, was das für den deutschen und türkischen Tourismus bedeutet?

Von den 600.000 Touristen, die eingebucht sind, sind 95 Prozent Stammgäste der Türkei. Wir reden hier von rund einer Milliarden Euro für die Hotels. Dann sind es noch mal 70 bis 80 Millionen Euro für die gesamten deutschen Flughäfen und rund 300 Millionen für die Fluggesellschaften und dann sind es noch mal 130 Millionen Euro für die deutschen Reisebüros und für die türkische Wirtschaft. Und wir wissen das doch alle: Ohne Wirtschaft gibt es keine Demokratie – und ohne Demokratie gibt es keine Wirtschaft.

Mit dem türkischen Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy hat die Türkei erstmals tatsächlich einen Vollprofi an Bord. Er gehört zu den erfolgreichsten Hoteliers in der Türkei und er gehört keiner Partei an. Was versprechen Sie sich von seiner Begegnung heute mit Maas?

Mehmet Ersoy und ich kennen uns bereits seit 1986. Wir sind in der Tourismusbranche Kollegen. Ich kennen keinen besseren Vollprofi als Kultur- und Tourismusminister wie ihn. Die türkische Regierung rät den deutschen Reiseveranstaltern und Online-Reisebüros, mit ihren zertifizierten Hotels zusammenzuarbeiten. Zusätzlich zu diesem Zertifizierungssystem haben autorisierte Stellen Rundschreiben zu verbindlichen Maßnahmen herausgegeben, die von Beherbergungsbetrieben, Lebensmittel- und Getränkeunternehmen, Flughäfen und Fluggesellschaften gegen die Pandemie zu ergreifen sind. An Flughäfen werden Temperaturmessungen für Passagiere durchgeführt, die in die Türkei einreisen. Passagiere, die andere krankheitsbedingte Symptome aufweisen und solche mit einer Temperatur über 37,8 Grad Celsius oder solche mit Symptomen auf eine Infektion mit dem Coronavirus, werden getestet. Für den Test wird keine Gebühr erhoben. Wenn das Testergebnis positiv ist, wird der Gast ins Krankenhaus gebracht. Das gleiche Verfahren gilt für Transitpassagiere. Ich weiß, dass Mehmet Ersoy heute erneut auf hohem diplomatischem Niveau darum bemüht sein wird, gemeinsam mit unserem Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu mit Deutschland eine Lösung zu finden. Davon hängt viel für die Wirtschaft der Deutschen und der Türken ab. Es gibt wohl kaum ein Land, dass so unglaublich viel geleistet hat, damit deutsche Touristen jetzt sicher in der Türkei ihren Urlaub verbringen können. Sollte Maas die Reisehebung zum 15. Juli aufheben, wäre viel für die Deutschen und für die Türken gerettet.

Kurz-Biographie

Hüseyin Baraner

Hüseyin Baraner wurde am 16. Juni 1957 in Çanakkale in der Türkei geboren. Nach seinem Abitur in der Türkei besuchte er private Tourismushochschulen in England, Spanien und Asien. Später war er bei bekannten Reiseveranstaltern tätig, zuletzt elf Jahre lang als Vertreter der TUI AG in der Türkei. Er hatte ehrenamtliche Positionen bei türkischen Reiseveranstalter-Verbänden sowie Gesundheitsverbänden inne und war auch für mehrere Jahre Präsident des Türkische-Europäischen Tourismus-Rates. Zurzeit ist er Auslandsvertreter des Türkischen Reise-Agenturverbandes TÜRSAB. Hüseyin Baraner ist Mitinhaber der Germanyfans GmbH und Herausgeber des Portals tourexpi.com.

NTV-Video: Kultur- und Tourismusminister Ersoy

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2 Gedanken zu „Sie kämpfen wie Löwen um die Aufhebung der türkischen Reisewarnung“

  1. Hallo zusammen. Ich schreibe aus Izmir und kann für meinen Teil nur sagen. Hier werden sehr strenge Maßnahmen ergriffen. Leute die gegen die Regeln verstoßen, müssen tief in die Tasche greifen, um Strafgeld zu zahlen. Das, was ich in Cesme bzw. von renommierten Hotel in der Umgebung gesehen habe, hat mich sehr erfreut und gleichzeitig sehr erleichtert. Hier hat man sehr sorgfältig zum Wohl der Türkeigäste gearbeitet und alle Maßnahmen zum Schutz der Gäste ergriffen. Hut ab

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